„Flüchtlinge – Schrecken oder Chance“

„Flüchtlinge – Schrecken oder Chance“

- in Gföhl
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„Flüchtlinge – Schrecken oder Chance“

war das Thema eines Informationsabends am 20. Jänner im Begegnungszentrum Gföhl, zu dem „Willkommen Mensch! in Gföhl/Jaidhof“ eingeladen hatte. Ein einleitender Faktencheck von Kerstin Pomberger-Hauser von der Caritas gab zuerst einen Überblick über die Rechtslage rund um Flüchtlinge und das Asylwesen. (Eine der vorgestellten Zahlen belegt beispielsweise, dass 100 Österreicher und Österreicherinnen derzeit von genau 1,06 Flüchtlingen „überschwemmt“ werden.) Im Anschluss daran waren Betroffene am Wort: Ein syrischer Familienvater, der seit einem Jahr mit seiner Frau und seiner Tochter in Jaidhof lebt, stellte in einer kurzen Präsentation Bilder des ehemals blühenden Kulturlandes Syrien - mit wunderschönen Kirchen, Moscheen und antiken Tempelbauten - Bildern vom jetzigen Syrien gegenüber: Bildern von ganzen Straßenzügen, die nur mehr Trümmerwüsten sind, von umherirrenden Zivilisten zwischen brennenden Autos, Bildern von weinenden und toten Kindern. Ein wenig konnten in diesen Momenten die etwa 120 BesucherInnen des Abends wohl ermessen, wovon die Menschen aus Syrien derzeit in die Flucht getrieben werden. Ein kurdischer Petrochemie-Student berichtete danach von seiner Flucht, um dann in bewegender Weise mit einem selbst vorgetragenen kurdischen Heimatlied zu schließen.

In der anschließenden Diskussion, die von Frau Mag.a Auferbauer von „Willkommen Mensch in Gföhl/Jaidhof“ unter Assistenz von Herrn Hanedy, einem Ägypter, der schon seit zehn Jahren in Österreich lebt und der als Dolmetscher fungierte, geleitet wurde, ging es um Vorurteile, Analysen und Lösungsvorschläge. Warum sind eigentlich alle Flüchtlinge mit modernen Handys ausgerüstet? Weil – so erläuterte Herr Karl Lahmer von der Caritas St. Pölten – Handys nicht nur die einzigen Kommunikationsmittel mit den Verwandten und Freuden im zurückgelassenen Heimatland sind, sondern weil auf ihnen auch die vielleicht letzten Bilder von den Eltern, von Partnern, von Momenten des Glücks in der alten Heimat gespeichert sind! Auch diverse persönliche Dokumente besitzt ein Flüchtling vielleicht nur mehr am Handy. Es ist einfach DAS Überlebensgerät!

Nach etwa eineinhalb Stunden angeregter Diskussion ging der Abend nach dem offiziellen Teil in Einzel- und Gruppengespräche über, die durch arabisches Gebäck, das von den anwesenden Syrerinnen und Irakerinnen zubereitet worden war, versüßt wurden. Übereinstimmend war dabei aus allen Statements und Gesprächsbeiträgen herauszuhören, dass man in Gföhl die hier anwesenden Flüchtlinge keineswegs als „Schrecken“ erlebt, sondern als Chance, um im Miteinander, im einander Kennenlernen und im Kennenlernen der jeweils anderen Kultur eine enorme persönliche Bereicherung zu erfahren.

[Mag. A. Pospischil]

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