Erfahrungen

 

Auf dieser Seite erzählen Familienpaten von ihren Erlebnissen mit den Familien. Wir würden uns sehr freuen, wenn auch Sie uns Ihre Erfahrungen mitteilen.

Erfahrungsbericht Familie Auferbauer/Pospischil aus Jaidhof

fluechtlingsfamilieJeder Tag seit dem 24. Jänner 2015, als wir die syrische Flüchtlingsfamilie Joha bei uns in Jaidhof aufnahmen,  ist für uns eine Bereicherung! Da in unserem Fall Wohnungsvergabe und Betreuung zusammenfallen, hat sich schon eine recht enge Beziehung zueinander entwickelt. Weil die Familie der Johas mittlerweile über die ganze Welt verstreut ist, sehen sie uns als ihre „neue“, die Siedlungsgemeinschaft, in der wir leben, als ihre Großfamilie an. Da sie bruchstückhaft Englisch sprechen, fallen wir immer wieder ins Englische, was das Deutsch lernen ein wenig verzögert! Gemeinsames feiern ist eine wunderbare Gelegenheit des Austauschs von Bräuchen und Werten! Wir haben die syrische Küche schon sehr schätzen gelernt, besonders die Mehlspeisen. Nesrin hat schon mein Rezept von Karottensuppe und Sachertorte übernommen.

Für Nizar hat die Gartenarbeit meiner Meinung nach therapeutische Wirkung, weil er hier seine ganze Kreativität umsetzen und bereits viele Früchte, eigentlich Gemüse, ernten kann. Außerdem hat er schon den österreichischen Führerschein und genießt es, mit meinem Auto ein Stück weit Österreich mehr kennen zu lernen. Die Beiden sind an allem interessiert, was Land und Leute betrifft. Wir freuen uns schon, wenn die kleine Naja Arabisch und Deutsch gleichzeitig zu sprechen beginnt. Auch für unsere Töchter sind  diese Erfahrungen ganz wichtig. Ich kann nur ermutigen, den Schritt zu wagen, Menschen in irgendeiner möglichen Form zu unterstützen und zu begleiten.

Erfahrungsbericht Fransiska T. aus Zwettl

Anfang August sind die beiden Flüchtlingsfamilien O. aus Syrien und N. aus dem Irak in ein Haus in der Kesselbodengasse eingezogen. Seitdem bin ich gemeinsam mit einem mehrköpfigen Betreuungsteam vom Verein „Willkommen Mensch in Zwettl“ für die  insgesamt sechs Personen zuständig. Wir kümmern uns zusammen um die Anmeldung bei der Gemeinde und auf der Bezirkshauptmannschaft, erledigen den Einkauf, helfen bei der Orientierung in der neuen Stadt, begleiten zu Arztterminen und schenken einfach Zeit, Beschäftigung und Unterstützung, so oft es geht. In den ersten eineinhalb bis zwei Wochen waren wir fast täglich im Einsatz und hätten ohne unseren Dolmetscher Tamer Henedy viele der vorher genannten Dinge nicht bewältigen können. Denn ein großes Hindernis ist die Sprache. Die wenigsten sprechen gut Englisch, und so starteten wir vor ungefähr eineinhalb Wochen einen Deutschkurs. Zu viert unterrichten wir nun täglich eineinhalb Stunden Deutsch in einer Klasse der Neuen Mittelschule Zwettl, und ich bin begeistert, wie eifrig und mit welcher Freude alle bei der Sache sind. Nach ein paar Tagen können die meisten schon einfache Sätze bilden, und die Motivation der ganzen Gruppe überrascht mich jeden Tag aufs Neue. Immer bevor der Deutschkurs endet, oder bevor ich die Familien wieder verlasse, werde ich mit Dankbarkeit überschüttet und habe das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben. Das ist meine Motivation.

Erfahrungsbericht von Willkommen Mensch in Zwettl

Julia: „Ich war auf große Unterschiede eingestellt und traf auf unzählige Gemeinsamkeiten. Es ist immer wieder zutiefst berührend, wie optimistisch sich die Familien diesem totalen Neubeginn in einem fremden Land stellen. Ich lerne durch die Herausforderung der Begleitung eine faszinierende Kultur kennen und habe neue Freunde gewonnen, ein wunderbares Erlebnis!“

Erfahrungsbericht von Willkommen Mensch in Seitenstetten – Juli 2015

Mit Ende Dezember durften wir von „willkommen MENSCH! in Seitenstetten“ die erste Familie im Ort begrüßen. Der Eindruck war auf den ersten Blick sehr positiv. Ein Vorteil war, dass eine Unterhaltung aufgrund der bereits erworbenen Deutschkenntnisse durchaus möglich war. Die zweite Familie kam Anfang Februar, was nicht so einfach war. Denn sind Flüchtlinge aufgrund der sehr begrenzten finanziellen Mittel auf kurze Wegstrecken zu Ämtern, günstigen und ihrer Kultur entsprechenden Einkaufsmöglichkeiten und Freunden angewiesen. Mittlerweile jedoch wird der Wert erkannt, den kleinere Orte bieten. Das Kennenlernen der Kultur sowie das Erlernen der Sprache gehen hier durch die vielen heimischen Kontakte besser. Die Menschen sind nicht mehr anonym sondern werden persönlich betreut und in diversen Angelegenheiten unterstützt. Sie fallen in ein soziales Netz, das sie sonst nicht hätten.

Die Familien, die nach Seitenstetten gekommen sind, sind sehr herzlich und dankbar, dabei auf keinen Fall fordernd, im Gegenteil. Sie wollen dort selbstständig sein, wo sie es können – bis zur Grenze des Möglichen. Am liebsten ist es ihnen, man besucht sie einfach, ohne irgendwelche Geschenke mitzunehmen. Manchmal scheitern sie an ihrer eigenen Ungeduld: wenn sie in wenigen Monaten Deutsch erlernen wollen (wobei der Anspruch bei den Akademikern unheimlich hoch ist), beim Führerschein oder bei der Hoffnung auf Arbeit. Gerade eine Beschäftigung suchen sie mehr als alles andere. „Vom Herumsitzen wird man wahnsinnig!“ sagen sie sinngemäß. Lebenswerter Alltag kann erst eintreten, wenn man Sinnvolles zu tun hat. Glücklicherweise konnten wir einen Teil der Männer schon in das Arbeitsleben einführen – und es tut ihnen sehr gut, weil sie ihrem Anspruch, für die Familie zu sorgen, nachkommen können. Die Frauen brauchen jedoch auch Ablenkung und Aufgaben. Der Sprachkurs, den ein pensionierter Lehrer initiiert hat, ist in diesem Fall ganz wichtig.

Die Begegnungen mit ihnen regen immer wieder zum Nachdenken an, und nur allzu oft wird man sich des Geschenkes bewusst, das einem mit der Geburt in Österreich in diesen Zeiten gegeben ist. Schwer wird es, wenn man merkt, dass ihnen das Herz schwer ist. Das ist vor allem dann der Fall, wenn sie wieder traurige oder erschütternde Nachrichten von zu Hause bekommen haben. Die Sicherheit, die sie hier in Österreich haben, scheint in diesen Momenten wenig zu helfen, wie denn auch, wenn man wochenlang keinen Kontakt zu den Angehörigen hat, aber Berichte in den Medien von Giftgasangriffen liest, oder wenn der Bruder in die Hände irgendwelcher fundamentalistischer Gruppen gefallen ist.

Der Kontakt zu ihren Familien ist wesentlich für ihre Identität, die sie neu finden müssen, seit sie ihre Existenz in der Heimat verkauft und verlassen haben. Internet und Handy sind dabei keine Luxusgüter, sondern zählen für mich zur Grundversorgung des 21. Jahrhunderts.

Nach einem halben Jahr nun kann ich sagen, dass die Familien bei uns angekommen sind. Sie haben Freunde, die sie besuchen und die mit Ihnen etwas unternehmen. Sie lernen dabei die Kultur kennen und überwinden dabei eigene innere Hürden, wenn es z.B. um Radfahren oder Schwimmen geht. So kann Integration gelingen. Aber es heißt auch, dass wir uns auf Neues einlassen müssen. Es wird Konflikte und mühsame Momente geben, weil Probleme zu lösen sind – auch unter den begleitenden Personen. Jeder Mensch ist anders und hat einen eigenen Weg, an die Dinge heranzugehen. Dabei kann nur immer wieder das Gespräch untereinander helfen – und es hilft. Das Ergebnis aber ist ein Schönes und lohnenswert: Erweiterung des eigenen Horizonts und der Gewinn wertvoller Freundschaften!

Erfahrungsbericht von Christa T. (Region Amstetten)

Ich habe mich als Lernbegleiter für Familie K., die in einem Haus in Amstetten wohnt, gemeldet. Der Vater wohnt schon länger dort, die Frau und die 2 Kinder sind erst Ende Mai nach Österreich nachgekommen.

Seit 1. Juni besuche ich die Familie einmal in der Woche für je eine bis eineinhalb Stunden mit einem Korb voll einfacher Lernspiele wie etwa Junior Memory, Domino, Karten mit Bildern, Stapelmännchenspiel, Magnetbuchstaben und Magnetziffern,…

Ein Mädchen ist 7 Jahre alt und hat die Vorschule begonnen, das zweite Mädchen ist 4 Jahre alt und fängt im Herbst im Kindergarten an.

Wir sitzen auf einer gemütlichen runden Sitzbank am Tisch, reden und spielen gemeinsam. Dabei werden die deutschen Bezeichnungen zu den Bildern möglichst oft wiederholt, um sie einzuprägen. Mit den Magnetbuchstaben legen wir die Namen aller Familienmitglieder und vor allem die Ältere sagt gerne das ABC auf. Auch die Zahlen bis 10 können beide schon auf Deutsch sprechen. Vater  und Mutter erklären den Mädchen manches  in ihrer Muttersprache und helfen immer wieder mit, dass alle lachen und friedlich sind.

Bei meinem letzten Besuch heute staunte ich, wieviel sich die Kinder bereits gemerkt haben, obwohl alles locker und spielerisch abläuft und mir und den Eltern oft Geduld und Humor abverlangt.

Tipp:

Es ist sicher ein Vorteil, wenn man in die Wohnung zur Familie kommen kann.

Erfahrungsbericht von Brigitte und Renate mit Familie A. (Region Amstetten)

Herr A. ist aus Damaskus (Maschinenbauingenieur) und seit Februar 2014 in Österreich.

Die Familienzusammenführung erfolgte im Frühjahr 2015. Herr A. hat 4 Kinder – das 5. kommt im August 2015 zur Welt. Die Familie bedarf einer sehr intensiven Betreuung, da die beiden Söhne (5 und 8 Jahre) in die Volksschule und ein Sohn (10 Jahre) diesen Herbst in die Mittelschule kommen. Das kleine Mädchen wird im Jänner  4 Jahre alt und wird im Kindergarten angemeldet.

Als Paten übernehmen wir die Unterstützung bei:

  • Formulare ausfüllen
  • zu den Ämtern begleiten
  • den Vater für  ein Berufspraktikum in einer Firma anmelden und in Folge einen Arbeitsplatz suchen
  • Einfache Dinge wie z. B. Putzmittel und Mülltrennung erklären (arabisch sprechende Menschen könne nicht lesen was auf den Produkten steht)
  • Geschäfte zeigen wo man Produkte günstiger erhält z. B. Eigenmarken in Drogeriemärkten
  • Mit den Frauen einkaufen gehen, sind sonst nur in der Wohnung mit den Kindern (Papa passt auf die Kleinen auf)

Tipps:

  • Notrufnummern auf einen Zettel schreiben und in der Wohnung aufkleben .
  • Abgesehen vom Zeitaufwand welchen man neben der eigenen Familie und dem Beruf hat, ist das Ganze insgesamt ein bereicherndes Erlebnis.
  • Sinnvoll ist ein arabisch Übersetzer am Handy.

„ Das Leben ist ein Bumerang, wir empfangen was wir geben!“

Erfahrungsbericht von Arthur H. (Region Horn)

Warum ich mich engagiere:

  1. Weil es mir sehr gut geht und es diesen Menschen sehr schlecht geht – also versuche ich, dass es ihnen durch mein Engagement etwas besser geht!
  2. Weil viele Menschen den Flüchtlingen sehr feindselig gegenüberstehen – darauf kann man nur mit dem Gegenteil antworten!

Bereichernd erlebe ich die Gemeinschaft der Helfenden. Damit wird erstens ein schönes Gefühl in mir „erzeugt“ und zweitens führt die Solidarität der helfenden Menschen dazu, dass sich die „Gegner“ ruhiger verhalten bzw. vielleicht sogar ein bisschen nachdenken!

Besondere Begegnungen: 
Ich hatte noch nicht so viel Kontakt mit den Flüchtlingen direkt, bin allerdings sehr froh, Matthias D. und Kalin T. kennen gelernt zu haben!

Erfahrungsbericht von Christoph H., Region Steinakirchen

Seit die pfarrliche Gruppe „Willkommen Mensch! in Steinakirchen“ im November 2014 ihre Arbeit aufgenommen hat, wurden unzählige Arbeitsstunden von unseren rund 15 ehrenamtlichen Mitarbeitern geleistet ,um unserer Gastfamilie ein neues zu Hause zu geben. Die Familie A. kommt aus Kabul in Afghanistan, lebt seit Ende Jänner hier bei uns in Steinakirchen und hat sich bislang gut eingelebt. Auch die drei Kinder der Familie (3, 5 und 7 Jahre) haben sich schon relativ gut integriert und gehen voller Freude und mit viel Eifer in den Kindergarten bzw. in die Schule.

Die Hilfsbereitschaft sowie die Spendenfreudigkeit der Steinakirchnerinnen und Steinakirchner war wirklich überwältigend, sodass wir in relativ kurzer Zeit eine Wohnung adaptieren und Einrichten konnten.

Bei uns hat es sich so entwickelt, dass manche Mitglieder unserer Gruppe einen bestimmten Verantwortungsbereich übernommen haben, und diesen auch eigenständig organisieren. Je nach Kompetenz und Erfahrung, können sich daher auch unsere Mitarbeiter frei entfalten und ihre Fähigkeiten einsetzen.

Die stets offene Art und das herzliche Wesen der Steinakirchner Bevölkerung, war für den bisherigen Integrationsprozess äußerst förderlich und ist weiterhin ein grundlegender Pfeiler für das gute Gelingen unseres Projektes.

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen privaten Spenderinnen und Spendern recht herzlich bedanken. Weiters möchten wir uns auch bei allen Unternehmen und Vereinen bedanken, die dieses Projekt unterstützt haben.